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Sie ist jung und erfolgreich. Sie lebt(e) mit Frauenschwarm Jan Josef Liefers zusammen, ist Mutter. Ann-Kathrin Kramer (32) - eine vielbeschäftige Schauspielerin, von der viele behaupten, sie gäbe ungern Interviews - und täuschen! Am 08. September ist sie an der Seite von Harald Krassnitzer in „Hurenmord“ (SAT.1, 20 Uhr 15 ) zu sehen. Mit uns sprach sie über ihre Rolle, Priestertum und Glauben, Kindesmißhandlung und Selbstjustiz, das Söhnchen Leonard (15 Monate) und Glücksbisse...
Leonard schläft. Zeit zu reden. Doch reden allein ist es nicht, was Ann-Kathrin Kramer tut - es sind Aussagen. Eine jede sitzt, hat Hintergrund und je länger das Gespräch dauert, desto länger, so meint man, müsse es unbedingt noch werden.
Es ist nicht allein ihr Aussehen, was fasziniert. Es sind ihre Gedanken. Zum Leben, zum Alltag, zu ihren Rollen. In „Hurenmord“ (8.9. SAT.1) spielt sie die Schwester eines Priesters, der in einen Mordfall verwickelt wird. Mit ihrer Tochter lebt sie bei ihm, steht ihm zur Seite. „An dieser Figur finde ich besonders schön, daß diese Frau ihren Mann steht, daß sie eine andere Form des Familienlebens gefunden hat und vor allem auch ohne Mann nicht zu Trockenbrot geworden ist,“ erklärt die 32jährige. Viele Menschen würden partout nicht begreifen, daß eine alleinerziehende Mutter nicht zwingend eine Zornesfalte auf der Stirn haben müsse. „Ich ziehe den Hut vor ihnen, denn ich habe einen Mann und weiß, wie schwer es schon jetzt manchmal ist, ein Kind zu haben und ihm vor allem gerecht zu werden.“ Wieviel schwerer müsse es dann erst sein, wenn man allein ist.
Würde sie sich zutrauen, ihren Sohn Leonard allein großzuziehen? „Natürlich würde ich mir das ebenfalls zutrauen. Aber nicht wünschen,“ antwortet sie spontan. Die wirkliche Zeit, die man mit seinem Kind verbringe, sei ohnehin schon recht gering. Soviel würden die alltäglichen Dinge, Haushalt, Telefonate an Zeit kosten. „Wenn ich allein wäre, wäre auch sie noch geringer. Ich möchte mit meinem Kind aber schöne Zeiten verbringen.“
Sie sei ein ausgesprochener Familienmensch. Das hieße nicht, daß immer nur „heile Welt angesagt“ sei, sondern, daß man seine Wurzeln in der Familie fände. Es ist der Wahl-Münchnerin sehr wichtig, daß die Familie da, eine vollkommene Familie ist, zusammenhält. „Sicherheit, Mut, Kreativität, das Gefühl geliebt zu werden und Ideale erwachsen daraus. Ich glaube, es bliebe viel auf der Strecke, wenn ich allein mit meinem Sohn wäre. Vieles, was ich jetzt gern tue, würde dann zu einem Muß werden.“ Daß es nicht so ist, genießt sie als Glück. Der glücklichste Augenblick für sie sei jedoch die Geburt gewesen. „Ich hatte Leonard schon im Arm, als er noch angenabelt war.“ Aber auch andere Momente empfindet sie als ganz besonders schön.
„Ich beiße sehr gern, wenn ich glücklich bin,“ gesteht sie mit einem Augenzwinkern. „Kürzlich tobten wir herum, als er mich plötzlich in den Arm nahm und mich heftig in die Schulter biß! Ich konnte es ihm nicht über nehmen - es war ein Glücksbiß!“ Ohnehin ähneln sich Mutter und Kind in vielen Dingen. "Leonard sieht aus wie ich als Baby und ist mir auch im Wesen sehr ähnlich.“ Er habe einen enormen Willen, Dinge zu schaffen, einen Ehrgeiz, der ihn vor wenigen Wochen einfach in einen Pool springen ließ, um zu schwimmen. Auch fing der Kleine sehr früh an zu sprechen, krabbelte mit wenigen Monaten und lief schon vor seinem ersten Geburtstag. „Wenn etwas nicht klappt, wird er sehr zornig und auf der anderen Seite ist er sehr sozial, mit anderen Babys, Kleineren ist er ganz sanft und brabbelt ihnen etwas vor,“ schwärmt Ann-Kathrin Kramer und ihre Stimme wird ganz weich.
Den Spagat zwischen Kind und Job empfindet sie „wie alle Frauen“ als schwierig. Sie habe aber das Glück, daß der Vater ihr zur Seite stehe, daß sie privilegiert sei, mit Geld auch eine Kinderfrau zu engagieren, wenn sie und Jan Josef gleichzeitig vor der Kamera stehen müssen. „Da habe ich es ein bißchen besser, als andere. Aber unabhängig davon, ist es für mich emotional dasselbe. Es sind immer die Frauen, die das machen. Der Mann sagt „arbeite doch ruhig“, aber die Frau ist es, die das organisiert, die mit dem schlechten Gewissen herumrennt und sich vorwirft, vielleicht nicht die gute Mutter zu sein, die sie gern wäre.“ Sie versuche es. Mit Mann und manchmal auch mit Kinderfrau. Um viel Zeit für ihren Sohn zu haben, wird sie in diesem Jahr auch nur noch in Oktober eine Komödie drehen, ansonsten von zu hause aus Geschichten schreiben. „Ich versuche mich an Drehbüchern, möchte Schreiben und inszenieren. Aber das dauert noch, bis es soweit ist,“ verrät sie.
Ann-Kathrin Kramer braucht ihre Zeit, in der sie nicht über Pampers nachdenkt. Und wenn sie die habe, sie gemeinsam mit ihrem Partner Jan Josef Liefers Höhen und Tiefen meistere, dann sei danach „noch ein Löffel mehr Liebe“ da. „Das ist nicht einfach, manchmal auch enorm anstrengend. Aber wenn wir wissen, wir wollen uns und meinen uns - dann klappt es!“ Auch bei ihnen gäbe es durchaus Streitigkeiten. „Ich bin nicht nachtragend, aber in dem Moment sehr impulsiv.“ Davon, gesteht sie, könnten einige zerdepperte Kacheln zeugen... „Es kann schon passieren, daß ich dann mit Gläsern oder Geschirr werfe. Aber nie auf Menschen, nur auf den Boden oder gegen die Wand.“ Das sei ihre Variante gegen ein Magengeschwür - „und danach ist es auch gut.“ Menschen, Lebewesen müßten nicht immer kontrollierbar sein. „Es entspannt mich - auch wenn mein Mann da ganz anders ist. Jan brauchte seine Zeit, es zu verstehen. Anfangs dachte er immer „jetzt geht es los“ - und dabei war es für mich schon vorbei. Nach vier Jahren findet er es zumeist amüsant. Am schönsten ist es, wenn es scheppert und er dann lacht...“
Ann-Kathrin Kramer hat Temperament, privat wie auch beruflich. Sie spielt ihre Rollen nicht, sie lebt sie. Wie schwer ist es, sich in die Schwester eines Priesters hineinzufühlen? „Ich bin nicht getauft, war nie in der Institution Kirche. Aber ich komme aus einem kleinen Ort, die von einer Klosterkirche dominiert wird. Da gab es einen tollen Pfarrer, den ich als Kind oft aufsuchte. Ich setzte mich auch einfach nur in diese Kirche, genoß es sehr. Was das Priestertum an sich angeht, denke ich, es gibt sicher einige, die den Glauben leben. Aber grundsätzlich bin ich nicht der Freund großer Institutionen. In denen geht es letztendlich zu häufig um Macht und Geld.“
Glaube an sich sei jedoch etwas, was heutzutage zu oft unter den Tisch falle. Damit meine sie nicht allein den Glauben an Gott, sondern auch den in eine Sache, an Ideale, Moral, an Dinge, für die man auch auf die Straße gehen könne. „Das wird leider immer weniger. Immer wenn ich nun zu einer Talkshow eingeladen bin, denke ich „jetzt mußt du eigentlich ein Thema nehmen, was dir wirklich sehr wichtig ist.“ Man solle endlich wieder anfangen, sich engagieren. Deshalb ist Ann-Kathrin Kramer auch in die Vereinigung „Dunkelziffer e,V.“ eingetreten, eine Gesellschaft, die sexuell mißbrauchte Kinder unterstützt. Der Gründer habe zuvor lange Zeit recherchiert, sich getarnte, selbst Kinder angeboten bekommen.
„Es bringt nichts, wenn man sich aufregt, ärgert und dann vergißt. Wenn ich höre, daß Sexualtäter, Videothekenbesitzer, Männer, die sogar Babys mißbrauchen, mit Bewährung und 300 Mark Strafe davon kommen, ist das für mich kaum vorstellbar. Mit Verlaub sitze ich dann da und frage mich, ob die Richter denn keine Kinder haben.“ Schon früher habe sie weinen müssen, wenn sie von solchen Geschehnissen hörte - und jetzt kommt es ihr natürlich noch näher. „Es gibt Bilder von neun Monate alten, mißbrauchten Babys in der Pathologie, die von zwei Männern vergewaltigt wurden. Ich könnte dann kotzen. Und deshalb ist es mir ein echtes Anliegen, dagegen etwas zu tun.“ Das verlange schon die Achtung vor dem Menschen - „und das hat auch etwas mit Glauben zu tun!“
Wie würde Sie reagieren, wenn ihrem Sohn so etwas zustoßen würde? Ann-Kathrin Kramer überlegt nur kurz. „So wie die Gesetze heute sind, würde ich zur Selbstjustiz greifen. Ich würde nicht auf die Justiz vertrauen - ich würde wohl schießen!“ Die Schauspielerin steht zu ihren Entschlüssen, auch wenn ihre Biographie teilweise sehr spontan wirkt, mit vielen Projekten, die nicht alle zu ende gebracht wurden. „Dennoch war es nicht chaotisch. Ich habe viel ausprobiert aber es für mich ganz persönlich auch zu ende gebracht.“ Man könne mit 16 nicht wissen, was man werden wolle und so habe jeder auch das Recht dazu, es zu erforschen. „Und das auch mit 40. Wenn das nicht ist, sieht das Leben doch trostlos aus. Wie furchtbar, wenn jemand 30 Jahre irgend etwas macht, dabei unglücklich ist und Nägel kaut.“
Ihr Sohn habe sie dabei dahingehend verändert, daß sie verantwortungsvoller mit sich sei. „Das fängt damit an, daß ich früher gefahren bin, wie ein Henker, das volle Risiko ausprobierte. Da bin ich heute anders, viel vorsichtiger.“ Aber auch sonst habe ihr Kind sie verändert. Erwachsene vergäßen häufig, daß sie selbst einmal Kinder gewesen seien. „Es fällt auch oftmals schwer, es nicht zu tun,“ gibt sie zu. Aber sie bemüht sich: Als sie vor einiger Zeit in die Küche kam, entdeckte sie sprachlos ihren Sohn, der genüßlich ein 20ger Pack Eier auf dem Fußboden zerdepperte. „Mein erster Gedanke war, wie viele Tage es dauern würde, bis ich diese Schmiere wieder von den Fliesen und Schränken herunter bekomme.“ Aber dann sah sie das fröhliche, lustige Lächeln ihres Sohnes. „Also setzte ich mich zu ihm und wir zermanschten gemeinsam die Eier. Erwachsene sollten öfter daran denken, wie toll Matschepampe ist!“ Im Herbst ist Ann-Kathrin Kramer in einer Rolle zu sehen, die mit Kindern noch nichts am Hut hat. Sie spielt in der ARD-Komödie „Supersingle“ eine Frau, die von ihrem Mann betrogen wird und Rachepläne schmiedet.
„Privat bedauere ich manchmal, daß ich nicht rachsüchtig bin. Aber das geht dann meist schnell vorbei.“ Wie würde sie auf Untreue reagieren? „Treue ist für mich ungeheuer wichtig. Nicht wegen des Aktes an sich, sondern weil man den Menschen, den man vorgibt zu lieben, nicht belügen sollte.“ Wahrheit sei sehr wichtig - deshalb sei es ihr im Fall des Falles lieber, es direkt zu erfahren. „Ein Betrogener fühlt sich ohnehin wie ein Stück Dreck, weil es eigentlich heißt, ein anderer Mensch war besser, auch wenn nur für den Augenblick. Dann sollte derjenige es aber lieber persönlich erfahren, mit allen Einzelheiten.“ Nur dann könne man die Situation einschätzen und davon abhängig für sich entscheiden, wie die Konsequenzen aussehen sollen. „Es kann alles irgendwann passieren. Aber wenn es die große Liebe ist, die wirklich ewig halten soll, dann sollte man sich schon im Klaren sein, daß man diese nicht riskiert.“
Viele würden sich heute etwas vormachen, denken, die Zeiten hätten sich geändert, Seitensprünge gingen einfach so. Die Verletzungen seien genauso wie vor hundert Jahren. Glaubt sie, daß Mann und Frau Sex und Liebe unterschiedlich beurteilen? „Aus dem augenblicklichen Lustempfinden heraus sicher nicht,"überlegt sie. „Aber Frauen haben grundsätzlich ein größeres Pflichtbewußtsein, ein Verantwortungsgefühl. Sie sind sich in aller Konsequenz darüber bewußt, was sie tun. Und wenn eine Frau fremd geht, weiß sie auch, was sie riskiert - und ist bereit dazu. Männer sind da anders - und eher feige.“ Apropos Mann und Frau - wie denkt sie über das Thema Ehe? „Jan und ich empfinden uns als Mann und Frau. Wir sind eine Familie und es gibt nichts innigeres, als gemeinsam ein Kind zu haben. Das ist ohnehin schon für immer und ewig. Da sehen wir keinen Grund, Heiraten zu müssen...“ Weiteren Kindern jedoch ist sie sehr aufgeschlossen: „Nicht sofort, aber ich merke, daß mir das sehr viel Spaß macht. Ich würde gern noch ein Mädchen bekommen, denn ich glaube, ich bin eine echte Jungenmutter. Mädchen und Mütter finden oft schwerer zu einander, auch, weil sie zu ähnlich sind. Das würde ich gern hinkriegen...“
DUNKELZIFFER E.V. Spendenkonto 868 000 1 Deutsche Bank, 200 700 00 Eine Mehrheit der Deutschen ist laut Emnid-Umfrage für eine härtere Gangart gegenüber Straftätern: 54 Prozent sind für die Wiedereinführung der Todesstrafe bei Kindesmord, 82 Prozent für die Beibehaltung der lebenslangen Freiheitsstrafe bei sexueller Mißhandlung.
Barbara Schuhrk

Ein Flugzeug zwischen München und Köln. Hitze, die Klimaanlage defekt, eine Stimme. Beim Blick nach hinten sofortige Sympathie: Eine Dame mit Ausstrahlung, Gelassenheit. Das Leben hinterließ Spuren in ihrem Gesicht, Spuren von Traurigkeit und dennoch - Stärke. Isabel Mühleisen (56) aus Hennef beginnt von ihrem Leben zu erzählen. Familienglück. Dann der plötzliche Tod ihres einzigen Sohnes, Zusammenbruch. Und dann das Leben nach dem Tod - Signale von Drüben. Keine Spinnerin in Wallegewändern - Worte einer Dolmetscherin, die im Management arbeitete, mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Ein Gespräch, das weitergehen sollte und nachdenklich stimmte und ein Besuch in Hennef.
Leben nach dem Tod - ein ewiges Rätsel. Papst Johannes Paul II. erklärte es im vergangenen Oktober so: „Es herrschen ganz besondere Bedingungen nach dem natürlichen Tod. Eine Übergangsphase, in welcher der Körper sich auflöst und das Weiterleben eines spirituellen Elementes beginnt. Dieses Element ist ausgestattet mit einem eigenen Bewußtsein, einem eigenen Willen und zwar so, daß der Mensch existiert, obwohl er keinen Körper mehr besitzt.“
Beweise zu suchen ist schwer - und dennoch möglich. Franks Tennisschläger hängt dort, wo er ihn einst hingehängt hat, seine Bücher stehen im Regal. Nur Frank ist nicht mehr da. Am 17. Mai 1991 geschah für Isabel und Klaus Mühleisen (60) das Schlimmste, was Eltern sich vorstellen können: Ihr einziger Sohn starb an einem Gehirntumor, einem unheilbaren Glio Blastom, 17 Jahre alt.
„Bis dahin führte ich ein sorgenfreies, wunderbares Leben," so Isabel Mühleisen. „Plötzlich wurde unser Kind uns innerhalb von nur fünf Wochen genommen. Nie zuvor war er wirklich krank gewesen, er war gesund, fit, Tennis-Fan, ein Tänzer und wirklich intelligent.“
DANN DER FALL INS BODENLOSE: „Ich stand kurz davor irre zu werden oder mich umzubringen“, gesteht Isabel Mühleisen heute. „Die Verantwortung gegenüber der trauernden Sheila, Franks Hund, hielt mich ab.“ An die Zeit nach Franks Tod kann sie sich nur schwer erinnern. Weiß nicht, was sie gefühlt hat, was sie getan hat. Sie hat weitergelebt, existiert zumindest, irgendwie.
Heute hat die Diplom-Dolmetscherin ihr Leben wieder im Griff: Das Kinderzimmer ist ihr Büro, der Computer läuft, das Telefon klingelt und sie engagiert sich für Menschen, denen gleiches oder ähnliches Schicksal widerfuhr.
Sie kann wieder lachen: „Nicht mehr in Dur, aber in Moll.“ Laut und herzhaft in jedem Fall. Denn Frank ist bei ihr. Sie reden miteinander, sie fühlen sich. „Früher dachte ich „Zufall“, wenn etwas geschah. Heute weiss ich, daß vieles vorherbestimmt ist. Daß die Menschen aus der „Geistigen Welt“ uns helfen. Und das ist der Weg, den ich gehe. Anfangs nur stolpernd, zögernd, doch heute mit festem Schritt.“
„Auch mit Gott habe ich mich versöhnt. Früher ging es mir so gut, daß ich nicht an Gott glauben „mußte“. Dann war da diese grausame Krankheit, Franks Tod und ich dachte, wenn er so gut sei - warum tue Gott mir das dann an? Inzwischen bat ich ihn um Verzeihung. Mein Frank ist bei ihm und ich glaube, jeder hat auf Erden seine persönliche Hölle zu durchstehen, bevor er in die Geistige Welt, zu Gott darf, in der Wärme und bedingungslose Liebe herrscht!“
Die erste Hilfe war eine Selbsthilfegruppe. Dort traf Isabel Mühleisen eine Frau, die über englische Medien Kontakt mit ihrem verstorbenen Kind aufgenommen hatte.
„Sie erklärte mir, daß es unseren Kindern gut ginge - ich war wie versteinert. Doch dann schöpfte ich Hoffnung und machte in Deutschland einen Termin mit diesem Medium. Parallel hatte mich eine Freundin aus London eingeladen, sie habe eine Überraschung für mich. Also buchte ich für den selben Tag einen Flug nach London.
Es war der 31. August 1991, der Tag, der mir mein erstes Lächeln wiederbrachte.“ Der Beginn eines Lebens „nach Frank“. „Ich wollte dem Medium sofort von meinem Sohn erzählen, doch sie hieß mich zu schweigen. Denn hinter mir stünde ein junger Mann, deute auf seinen Kopf. Er habe einen Tennisschläger dabei, spräche von furchtbaren Schmerzen und fünf Wochen.“ Nach der zweiten Operation innerhalb von fünf Monaten hat Frank nur noch fünf Wochen gelebt. „Dann beschrieb sie Frank, seinen Arzt und wußte, daß er fünf Sprachen sprach,“ erinnert sich Isabel Mühleisen, als wäre es gestern gewesen. Das Medium beschrieb Franks’ Ambitionen, den Verlauf seiner Krankheit, die letzten Momente zwischen Mutter und Sohn. „Sie wußte, daß der Tumor über dem linken Ohr saß. Ich war glücklich und verwirrt, habe geweint und gelacht, war erleichtert und skeptisch.“ Vielleicht, so überlegte sie, habe jemand dem Medium ja etwas verraten - um zu helfen.
SIE WOLLTE BEWEISE. MEHR BEWEISE. Die Überraschung: Ihre Freundin hatte einen Termin beim SAGB (Spiritual Association of Great Britain) für sie arrangiert - das zweite „Treffen“ mit Frank, mit einem anderen Medium. „Da meine Freundin den Termin unter ihrem Namen gebucht hatte, man weder meinen Namen, meine Nationalität noch sonst etwas von mir wusste, war ich gespannt auf weitere Beweise.“ Wieder Nachrichten von Frank, wieder Worte, die sagten „Ich lebe, Mutti!“ Auch dieses Medium wußte Dinge, die niemand wissen konnte: Daß Frank in einer der letzten Krankenhausnächte, in der nur die Mutter bei ihm war, plötzlich um einen Apfel bat, sogar, wie sie am Sterbebett die Hand ihres Kindes hielt, konnte das Medium beschreiben. Es wußte, daß Isabel Mühleisen - als sie allein war - sich im Gebet wünschte, daß Frank wenigstens nicht leiden möge, wenn er sterben müsse.
„Ich bin ein Realist, auch zwangsläufig mißtrauisch. Trotz aller Beweise wollte ich mehr, war fassungslos.“ Isabel Mühleisen buchte drei Termine bei Medien in London - mit ähnlichen Ergebnissen. „Das dritte Medium wies auf mein T-Shirt und meinte „Der Junge sagt, ihm stehe es besser.“ Es war tatsächlich Franks’T-Shirt! Das Medium wußte gar zu berichten, daß Isabel Mühleisens Mutter da sei, daß sie 7 Jahre 10 Monate und 4 Tage auf ihren Enkel gewartet hätte. „Später habe ich nachgerechnet. Genau diese Spanne liegt zwischen den beiden Todestagen,“ so Isabel Mühleisen. Sie lacht. „Auch ganz banale Dinge beweisen, daß Frank bei mir ist. Neulich telefonierte ich mit einem Medium. Sie sagte mir, Frank sei da, habe ihr gesagt, ich solle in den Keller gehen - die Waschmaschine lecke. Ich erwiderte, daß dies gar nicht sein könne. Sie bestand darauf. Also ging ich hinunter - und unter der Waschmaschine war eine Wasserlaache.“
„Ich konnte damals plötzlich wieder freier atmen, hatte ich doch meinen Frank nicht verloren, nicht wirklich. Er ist in der „Geistigen Welt“ und immer bei mir. Es geht ihm gut, er hat keine Schmerzen mehr, kann das tun, was er möchte. Und ich fühle ihn.“ Ihr Mann Klaus (60) war zunächst äußerst skeptisch, ist aber zunehmend überzeugt, daß es da etwas gibt, „zwischen Himmel und Erde“. Noch mehrmals besuchte sie die englischen Medien, wurde gar gebeten, bei einer Seminarwoche als Dolmetscher zu fungieren. England.
Mein Leben ging weiter, ich bekam wieder Kraft, begann mein Leben und mein Schicksal zu akzeptieren. Dann - 1992 - sagte mir ein Medium, daß ich meinen Beruf zwei Jahre später aufgeben, für die „Geistige Welt“ arbeiten werde. Ich glaubte das nicht - doch im Zuge der Rationalisierung wurde meinem Chef und auch mir gekündigt." In Hennef gründete sie den Spiritual Help Service: „Ich möchte den Menschen die Möglichkeit geben, hier in Deutschland oder der Schweiz ein wirklich ehrliches Medium aufzusuchen, denn ich sehe das als eine große Lebenshilfe an. Schließlich habe ich es selbst erlebt - weiß, das mein Leben wieder ein Leben geworden ist.“
Dafür holt Isabel Mühleisen englische Medien nach Deutschland, reist mit anderen nach London. Inzwischen übersetzte sie gar ein Buch zu diesem Thema und zu Franks Geburtstag im Dezember erscheint ein spezielles Magazin. „Ich möchte den Menschen einen Weg aus dem Dunkel der Verzweiflung, der tiefsten Trauer, aber auch des Selbstmitleides zeigen, denn unsere Lieben sind uns einen Schritt voraus - aber sie leben und sind glücklich, wenn wir darum wissen,“ beschreibt Isabel Mühleisen ihr Handeln. „Natürlich vermisse ich Frank unendlich, kann ihn in dieser Welt nicht mehr in die Arme nehmen, aber ich bin ihm so nah und verbunden, wie ich es immer war. Er erwartet uns.“
Eine Nachricht, die das Elternpaar immer wieder erhält: „Dein Lächeln, dein Lachen macht mich glücklich, denn ich bin immer in deiner, in eurer Nähe. Wir, die wir euch einen Schritt voraus sind, in einer anderen Welt, warten auf euch, denn Zeit ist kein Faktor für uns. Liebe ist das Band, welches uns verbindet, jetzt und in der Ewigkeit.“„Mein Verstand sagt mir manchmal noch immer, daß es das nicht gibt. Aber die Beweise sprechen dagegen,“ sagt Isabel Mühleisen nachdenklich. „Dinge, die außer Frank und mir niemand wissen kann - der letzte Satz den Frank sprach, die letzte Umarmung, wie ich ihn in den Armen hielt. Und es tut mir gut, daran zu glauben - es hält mich am Leben!“
Barbara Schuhrk
FRANK HAT SIE ERWARTET UND SIE IST GEKOMMEN: ISABEL MACHTE SICH AM 5. FEBRUAR 2002 AUF DEN WEG ZU IHREM SOHN, UM IHN WIEDER RICHTIG IN DEN ARMEN ZU HALTEN: ICH VERMISSE SIE; SIE IST NICHT MEHR BEI UNS - ABER SIE IST DA!


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